Biowein auf dem Vormarsch
Biolebensmittel sind seit geraumer Zeit in aller Munde. Auch was den Biowein anbelangt entdeckt man mittlerweile eine immer vielfältiger werdende Auswahl in Supermärkten und in Online-Shops. Weinbauern setzen bewusst auf dieses Thema, da Sie sich hiervon ein neues Marktsegment und zusätzliche Umsatzpotenziale erhoffen. Die Konsumenten hingegen haben viele Ansprüche und Erwartungen an den Biowein. So steht für die einen ein resourcenschohnender Umgang mit der Natur im Vordergrund, wogegen von anderen hohe Erwartungen in das Geschmackserlebnis gesteckt werden. Daraus ergibt sich die Frage ob ein Biowein wirklich so viel besser schmeckt als ein “Nicht-Biowein” oder was Weinbauern konkret unter einem nachhaltigen Umgang mit der Natur verstehen? Letztendlich muss jedes Unternehmen wirtschaftlich arbeiten. Die Frage ist nur ob soziale Verantwortung und ökonomische Interessen sich grundsätzlich ausschließen oder ob nicht doch der Biowein-Boom die Chance auf mehr Umsatz durch verträgliches Handeln für Weinbauern in sich birgt.
Biowein-Siegel und deren Verbände
Der erste Schritt zu einheitlichen Standards und Richtlinien ist die Gründung eines Verbandes. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Einrichtungen mit unterschiedlichen Auffassungen. Pflanzenschutzmittel und Düngemittel sind zwar bei einem Biowein generell verpönt, jedoch gibt es unterschiedliche Ansichten, was den Umgang mit Schwefel und Kupfer anbelangt. Schwefel spielt insbesondere bei der Haltbarkeit des Weines eine entscheidende Rolle. Durch ihn wird die Ausbreitung von Mikro-Organismen gehemmt und Sauerstoff abgehalten. Kupfer wird gegen den falschen Mehltau eingesetzt. Diese Pflanzenkrankheit stellt für die Weinbauern bereits seit dem 19 Jahrhundert eine große Gefahr dar. Hierbei kommt es an den Weinreben zu Pilzbefall an der Blattunterseite. Die Ernte wird durch den Befall stark gefährdet. Ein übermäßiger Einsatz von Kupfer führt zu einer Verunreinigung des Bodens mit diesem gesundheitsschädlichen Schwermetall. Biowein-Bauern laufen durch den Verzicht von Kupfer daher immer Gefahr ihre Ernte zu gefährden und somit den Ertrag zu reduzieren. Die Verbände haben daher für den Biowein individuelle Obergrenzen für Kupfer und Schwefel festgelegt:
- In Deutschland liegen die Obergrenzen für den Biowein bei Ecovin, Bioland, Naturland und Demeter bei 3 kg Kupferpräparat pro Jahr und Hektar. Auch in der Schweiz bei BIO-Suisse gilt diese Vorgabe.
- In Österreich (BIO-Austria) hingegen sind nur 2kg je Hektar und Jahr zugelassen.
- In Italien, Spanien und Frankreich stehen Schwefelobergrenzen bei Bioweinen im Vordergrund. Bei dem italienischen Verband AIAB sind max. 80 mg zulässig, beim spanischen Verband Asociación Vida Sun 100mg und bei den französichen Verbänden Nature et Progrès, Unia-Unitrab und Association Demeter jeweils max. 90 bzw. 100 mg.

internationale Bioweinsiegel
Ausblick und Fazit
Durch den Biowein-Anbau versucht man Rücksicht auf die Natur zu nehmen, indem man Obergrenzen für bestimmte Stoffe einführt. Diese sind derzeit noch nicht vereinheitlicht, jedoch wurde ein erster Schritt in die richtige Richtung gemacht. Es steht zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch außer Frage, dass Biowein-Bauern die den Umweltschutz auch wirklich ernst nehmen, ein höheres Ernteausfallsrisiko tragen und daher dieses auch in Form etwas höherer Preise an den Endverbraucher weitergeben müssen. Ob der Biowein wirklich besser schmeckt, als Wein aus traditionellem Anbau, muss letztendlich jeder für sich entscheiden. Entscheidend ist hier immer der persönliche Geschmack bzw. auch das eigene Gewissen. Über den Geschmack sagt das BIO-Siegel nichts aus. Der Biowein steht hauptsächlich für eine Bestimmte Grundhaltung in Bezug auf den Umgang mit der Natur.
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